Rapsuntersaaten statt Herbizide

Die Fruchtbarkeit des Bodens erhalten und den Oberboden schonen: Das sind zwei wichtige Vorteile einer nachhaltigen Bodenbearbeitung. Landwirte entdecken die vielen Vorzüge immer mehr – deshalb finden alternative Bekämpfungsmethoden langsam aber sicher den Weg auf Schweizer Bauernhöfe. Die Rapsuntersaat ist eine vielversprechende Variante, wenn sie richtig eingesetzt wird und die Rahmenbedingungen stimmen.

 

Ressourceneffizienzbeiträge des Bundes
Herbizideinsätze reduzieren um die Gesundheits- und Umweltrisiken zu mindern: Das ist die Zielsetzung des „Aktionsplans Pflanzenschutzmittel“ des Bundesrates. Zu diesem Zweck entrichtet der Bund seit 2019 Beiträge für die Reduktion von Pflanzenschutzmitteln auf offenen Ackerflächen. Wenn von der Saat bis zur Ernte vollständig auf Herbizide verzichtet wird, können CHF 250.--/ha geltend gemacht werden. Vorauflauf-Herbizide sind dabei ebenfalls verboten. Bei einer schonenden, pfluglosen Bodenbearbeitung kann der „Beitrag für die Reduktion von Pflanzenschutzmitteln auf der offenen Ackerfläche“ zudem mit einem Zusatzbeitrag von CHF 200.--/ha kumuliert werden. Voraussetzung dafür ist der Herbizidverzicht zwischen der Ernte der Vorkultur und der Ernte der Hauptkultur.

Vorteile der Rapsuntersaat
Die abfrierende Rapsuntersaat unterdrückt die Unkräuter, wodurch auf Herbizide verzichtet werden kann. Sie fixiert Stickstoff und überschüssige Nährstoffe im Boden, so dass diese nach der Mineralisierung im Frühling dem Raps zur Verfügung stehen. Das dichte, stabile Wurzelwerk der Untersaat verbessert Struktur und Tragfähigkeit des Bodens und vermindert das Bodenerosionsrisiko. Die Aktivität der Bodenlebewesen wird gefördert, dies trägt zum Humusaufbau bei. Die Untersaat dient als Ablenkfutter für adulte Erdflöhe und reduziert die Schäden am Raps. Mischungen mit Ackerbohnen verstärken diesen Effekt. Die zusätzlichen Saatgutkosten werden durch die zusätzlichen Direktzahlungen aufgehoben. Im Mittel werden mit Untersaaten leicht tiefere Erträge erzielt als ohne Untersaat. Der Minderertrag wird jedoch durch die Einsparungen bei den Pflanzenschutzmitteln deutlich wettgemacht.

So gelingen Rapsuntersaaten
Die Rapsuntersaat wurde ursprünglich in Frankreich entwickelt und wird seit rund 10 Jahren vorwiegend in den Kantonen Genf und Waadt erforscht. Dabei wurden an die schweizerischen Verhältnisse angepasste Aussaatverfahren und Mischungen erarbeitet und in der Praxis erprobt. Die Eric Schweizer AG empfiehlt folgendes Vorgehen:

Bodenvorbereitung
Ein sauberes Saatbeet ist die Grundlage für das Gelingen jeder Rapsuntersaat. Am effizientesten wird dies durch Pflügen erreicht. Doch auch die Direktsaat bringt Vorteile: Da die Erde nicht bewegt wird, werden Unkräuter nicht unnötig zum Keimen gebracht.

Saatzeitpunkt
Die Untersaat bremst die Entwicklung des Rapses im Herbst leicht. Damit er die gewünschte Grösse trotzdem vor dem Winter erreicht, sollte der Raps mit einer Untersaat ca. 5 Tage früher gesät werden als Raps ohne Untersaat. Falls schlechtes Wetter die Saat bis nach dem 1. September verzögert, sollte auf eine Untersaat verzichtet werden. Bei Saaten nach dem 1. September entwickelt sich die Untersaat weniger stark und unterdrückt das Unkraut oft ungenügend.

Saattechnik „Untersaat und Raps Mischung“
Die Untersaat wird mit dem Raps gemischt und mit einer Getreidesämaschine in einem Durchgang ausgesät. Dabei werden die Saatmengen der Untersaat und des Rapses zusammengezählt. Bei diesem Vorgehen empfiehlt die Eric Schweizer AG die Mischung „SCHWEIZER Colza-Top Sekunda“.

Saattechnik „Untersaat vor Raps“
Zuerst wird die Untersaat eingedrillt, anschliessend wird der Raps mit einer Einzelkornsämaschine ausgesät. Zwischen den beiden Durchgängen sollten maximal zwei Tage liegen. Bei dieser Variante erhöht sich die Wirkung gegen das Unkraut. Im Notfall kann später gehackt werden. Die Mischungen „SCHWEIZER Colza-Top Prima“ und „SCHWEIZER Colza-Top Sekunda“ eignen sich bei dieser Saattechnik sehr gut. Von Breitsaaten der Untersaat ist abzusehen, da bei diesem Verfahren die Samenkörner auf der Oberfläche abgelegt werden. Dadurch läuft die Untersaat langsamer und unregelmässig auf, was die Unkrautunterdrückung einschränkt.

Grenzen der Rapsuntersaat
Rapsuntersaat-Mischungen sind nicht in der Lage, alle Unkräuter komplett zu unterdrücken. Parzellen mit hohem Unkrautdruck und erhöhtem Auftreten von Problemunkräutern wie Winden, Quecken, Disteln, Blacken, Ackerfuchsschwanz oder Windhalm eignen sich nicht für eine Untersaat. Wird der Unkrautdruck zu hoch und wirkt sich negativ auf die Kultur aus, wird eine Herbizidbehandlung notwendig. In diesem Fall ist die Anmeldung für die Ressourceneffizienzbeiträge zurückzuziehen. Danach kann mit Pflanzenschutzmitteln eingegriffen werden.

Weitere Informationen zur Rapsuntersaat und den geeigneten Mischungen finden Sie im Merkblatt "Rapsuntersaat".

 
 Marc Lehmann

Marc Lehmann, BSc in Agronomie
Product Manager Futterbau, Ölfrüchte, Getreide, Wildblumen

 
 Raps mit Untersaat

Raps mit Untersaat „SCHWEIZER Colza-Top Sekunda“